Selbstmanagement


Hochsensible Menschen kommen zur Welt und finden sich als Minderheit in einer Mehrheit anders Wahrnehmender wieder. Das stellt sie vor große Herausforderungen, denn die Welt, in der sie leben, ist im Wesentlichen auf die Bedürfnisse der anderen abgestimmt. Um sich wohl zu fühlen, gesund zu bleiben, seinen Platz im Leben zu finden ist ein hochsensibler Mensch gefordert, Strategien zu entwickeln, in dieser für ihn nicht optimal angelegten Welt, seine Bedürfnisse, Grenzen und Begabungen best möglich zu realisieren. Jedem hochsensiblen Menschen ist eine ganz individuelle Komposition von Wahrnehmungs- und Verarbeitungsbegabungen gegeben und jeder empfindet einen anderen Aspekt seiner Wahrnehmung, seines persönlichen Anspruchs oder Werteverständnisses als leidvoll oder eben als bereichernd.

 

Selbstmanagement bedeutet mit sich selbst anders umgehen zu lernen und Strategien zu entwickeln, Lebensumstände auf seine Bedürfnisse anzupassen. In meinen Coachings und Psychotherapien unterstütze ich dabei, Selbstakzeptanz, Selbstfürsorge, Selbstregulation und Selbstbehauptung zu entwickeln oder zu stärken.

Selbstakzeptanz

Hochsensibilität ist eine genetisch bedingte Wesensart. Im Gegensatz zu psychischen Erkrankungen ist sie nicht behandelbar, da sie keine Erkrankung ist. Was also bleibt, ist die eigene Wesensart ganz und gar anzunehmen. Für den einen ist das einfacher als für den anderen. Entscheidend ist häufig die Reaktion des Umfeldes auf das eigene Verhalten. Wird man von anderen akzeptiert, fällt es leichter, sich selbst zu akzeptieren. Menschen, die als Kinder von ihren Eltern, Geschwistern, Freunden und Lehrern akzeptiert oder sogar wertgeschätzt wurden, haben es viel leichter, sich auch in Anbetracht eigener ungewöhnlicher Wesensarten anzunehmen. Wurden die hochsensiblen Attribute belächelt, abgewertet oder wurde gar erwartet, sich anders zu verhalten, sich zusammen zu reißen und so zu sein wie andere, dann ist es die Aufgabe des Erwachsenenalters, sich von diesen Abwertungen klar zu distanzieren und ein realistisches, positives Selbstbild zu entwerfen.

 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Prinzip " wenn mich die anderen akzeptieren, dann kann ich mich auch selbst akzeptieren" umkehrbar ist. Je selbstverständlicher ich mit meiner Individualität umgehe, desto eher werde ich von anderen akzeptiert. Diese Akzeptanz von außen stützt dann wiederum meine Selbstakzeptanz. Diesen Kreislauf gilt es aufzubauen und zu halten.

Selbstfürsorge

Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Gesundheit hängen unter anderem auch von dem Qualität der Selbstfürsorge ab. Den meisten Hochsensiblen fällt es sehr viel leichter, die Bedürfnisse der anderen zu erkennen, als die eigenen. Ebenso sorgen sie sich ganz selbstverständlich um andere, als an sich selbst zu denken. Dabei benötigen sie aufgrund ihres empfindsamen Nervensystems meist sehr viel mehr Selbstfürsorge als nicht-Hochsensible. Aus meiner Sicht können Hochsensible daran arbeiten, ihr eigenes Wohlergehen stärker zu fokussieren.

 

Für sich selbst zu sorgen beginnt damit, sich wahrnehmen zu lernen. Denn erst die Selbstwahrnehmung macht es möglich zu realisieren, was ich brauche und was nicht geht, in welchen Situationen oder mit welchen Menschen ich Kraft schöpfe und an welcher Stelle ich Kraft lasse. Jeder Mensch hat individuelle Bedürfnisse und Leistungsgrenzen. Um Überlastungsgefühle zu vermeiden oder wenigstens zu vermindern ist der selbstzugewandte Blick auf das, was uns gut tut, Freude und Energie bringt unerläßlich. Ziel der Selbstfürsorge ist, die eigene Energie im Auge zu behalten und so viel wie möglich dafür zu tun, Energie zu gewinnen.

Selbstregulation

Eine konsequente Selbstfürsorge kann vieles an Alltagsbelastungen, Reizüberflutung und Übererregung der Sinne vermeiden oder dämpfen. In manchen Situationen überschreiten wir trotzdem unsere Grenzen der Aufnahme- und Verarbeitungsfähigkeit. Das macht sich auf zwei Ebenen bemerkbar: auf der geistigen und körperlichen. Auf der geistigen Ebene erleben viele Hochsensible einen Dauergedankenkreis in die Vergangenheit oder Zukunft, der sich nicht stoppen lässt und oft am Einschlafen hindert. Typischerweise sind damit Selbstzweifel, Schuldgefühle oder Versagensängste verbunden. Körperliche Reaktionen sind Symptome wie Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit oder Erschöpfung. Werden Grenzen über einen längeren Zeitraum überschritten, kommt es zur Schwächung des Immunsystems, Symptome verstärken sich oder münden in physischen oder psychischen Krankheitsbildern.

 

Reichen die Methoden der Selbstfürsorge nicht aus, um mit den vielfältigen Reizen des Alltags zu Recht zu kommen, halte ich es für hilfreich, einen persönlichen Werkzeugkoffer zu entwickeln, um in Belastungssituationen konkrete Maßnahmen ergreifen zu können.

Selbstbehauptung

Auf der beruflichen Ebene bleiben viele Hochsensible unter ihren Möglichkeiten, weil sie zu wenig von sich zeigen. Das kann dazu führen, dass sie Berufe ausüben, die sie unterfordern. Unterforderung kann zu Bore-out führen, der anderen Seite des Burn-out. Insofern ist die Selbstbehauptung ein wichtiger Schutz für die eigene Gesundheit. Felder für Selbstbehauptung sind Gespräche mit Vorgesetzen oder Kunden, in denen es darum geht, einen eigenen Standpunkt zu vertreten oder eigene Interessen durchzusetzen. Viele Hochsensible schrecken vor Meetings, Präsentationen und Veranstaltungen zurück, weil sie Angst haben, sich zu zeigen oder bewertet zu werden. Eine gute Selbstbehauptung führt zu einer Stärkung des Selbstwertgefühls. Mit einem stärken Selbstwertgefühl ausgestattet wird es wiederum leichter, sich den beruflichen Herausforderungen zu stellen und zu wachsen.

 

Selbstbehauptung ist auch im privaten Bereich umzusetzen. Viele Hochsensible trauen sich nicht, ihre Bedürfnisse in der Familie, der Partnerschaft oder in Freundschaften Preis zu geben, sie möchten niemandem zur Last fallen, sie möchten, dass es den anderen gut geht und verzichten allzu oft auf ihre Wünsche. Eine gute Beziehung sollte jedoch die Waage zwischen Geben und Nehmen halten, um langfristig positiv zu verlaufen. Es ist ein Mythos, dass diejenigen, die immer alles für die anderen tun, auch die sind, die man respektiert. Leider ist das Gegenteil der Fall. Die eigenen Standpunkte, Bedürfnisse und Grenzen zu verteidigen, verschafft Respekt und Anerkennung.