Wahrnehmung, die hochsensible Kernkompetenz

Der wesentliche Unterschied, auf dem alle Auswirkungen der Hochsensibilität beruhen, ist die Art der Wahrnehmung hochsensibler Menschen. Wer genau beobachtet und sich vergleicht, kann es auch ohne die Beweise der bildgebenden Verfahren der Hirnforschung erkennen. Aus der differenzierten und feinen Wahrnehmung, die Hochsensibilität kennzeichnet, generiert sich nicht nur die Empfindsamkeit sondern in gleichem Maß auch das Potenzial.

Wahrnehmung ist grundsätzlich eine höchst subjektive Angelegenheit. Sie ist ein biologischer, komplexer Prozess, der von der individuellen neuronalen Beschaffenheit abhängt. Dr. Sandra Konrad fasst die Vermutungen so zusammen, dass sich das hochsensible Nervensystem durch eine geringere Dämpfung oder Filterung von Reizen auszeichnet, so dass größere Mengen an Reizen aufgenommen werden können. Möglicherweise werden eingehende Reize aufgrund neurologischer Strukturen und Prozesse als bedeutsam eingestuft und somit nachhaltiger verarbeitet. Eine dritte Annahme ist eine veränderte Aktivität des Hypothalamus, des Gefühlsreglers im Gehirn, der pränatal durch Stress in der Schwangerschaft zu hoch oder zu niedrig eingestellt worden sein und dann einen Einfluss auf Angst und Nervosität ausüben kann, was in die Entwicklung des Temperaments des ungeborenen Kindes einfließt.

Wenden wir den Blick auf das Potenzial der Hochsensibilität, bedeutet eine höhere Aufnahme von Reizen das Generieren einer größeren Datenbasis, die dem Gehirn zu Weiterverarbeitung zur Verfügung steht. Dabei ist zu beachten, dass jeder Mensch sehr unterschiedliche Schwerpunkte hinsichtlich seiner Wahrnehmungskanäle und somit auch der aufgenommenen Datenqualität hat. Zum einen nehmen wir über die üblichen fünf Sinne Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen/Tasten auf. Hochsensible haben in der Regel darüber hinaus einen sehr guten Zugang zu weiteren Wahrnehmungskanälen, wie den geistigen, energetischen oder feinstofflichen. Je nachdem, wie die Schwerpunkte der eigenen Wahrnehmung ausgeprägt sind, zeigen sich die individuellen Begabungsprofile.

Grundsätzlich beobachte ich, dass Hochsensible, neben ihrer Wahrnehmung nach außen, eine hohe Introspektions- und Reflexionsfähigkeit besitzen, an hohen Werten und Sinn orientiert sind, fehlersensitiv und antizipativ handeln und über eine gute Intuition verfügen. Das ist vielen nicht bewusst und sie vertrauen ihren Fähigkeiten oft nicht, womit sie ihr Potenzial häufig verschleudern. Meine Aufgabe sehe ich darin, eine realistischere Selbsteinschätzung und ein höheres Selbstwertgefühl zu fördern. Damit ausgestattet fällt es den meisten sehr viel leichter, ihr Potenzial zu erkennen und und in die Welt zu tragen. Ich gehe konform mit Dr. Elaine Arons Vergleichs der Rolle der "Priester oder königlichen Berater" in der Gesellschaft, die die Sensiblen schon immer inne hatten. Leider wird diese Rolle insbesondere in der westlichen Welt von den "Kriegern und Herrschern", wie sie es nennt, immer mehr verdrängt. Und dabei brauchen wir die sensiblen Qualitäten heute mehr denn je, wenn wir auf den Zustand unserer Erde schauen.